Im Blogartikel Freude und Spiel als Motivationsfaktor hatte ich vier Kennenlernspiele kurz vorgestellt. Seitdem hat mich eine einzige Frage öfter erreicht als jede andere: Hast du noch mehr davon? Hier ist die Antwort. 60 Spiele, aufgeteilt nach Grundschule, Mittelstufe und Oberstufe, alle nach demselben Prinzip gebaut: mehrere Zugänge zum selben Ziel, kein Bloßstellungsrisiko, kein Zwang zu spontanem Sprechen vor der ganzen Klasse.
Wenig Theorie, viel Praxis, das ist hier bewusst so gewollt. Zu jedem Spiel findest du, was du an Material brauchst, einen kurzen Praxis-Tipp aus der Umsetzung, und in einem Satz, welches UDL-Prinzip dahintersteckt, falls dich das interessiert. Wer den Hintergrund ausführlicher nachlesen will, warum Struktur bei Kennenlernspielen so viel ausmacht, findet das im Grundlagen-Artikel Was ist UDL?. Hier geht es direkt in die Praxis.
Warum klassische Kennenlernspiele für viele Kinder im Spektrum nicht funktionieren
Im Kreis aufstellen, reihum etwas über sich erzählen, alle hören zu. Für ein autistisches Kind oder ein Kind mit Sozialangst ist das oft die unangenehmste Minute der ganzen Woche, nicht weil es nichts zu sagen hätte, sondern weil spontanes Sprechen vor Publikum selbst schon die Barriere ist, bevor der Inhalt überhaupt eine Rolle spielt. Jedes Spiel hier funktioniert deshalb nach einem von drei Prinzipien: schriftliche Vorbereitung statt Spontansprache, Bewegung und kleine Gruppen statt großer Kreis, oder eine klar strukturierte Aufgabe statt offenem „lernt euch kennen". Diese drei Prinzipien ziehen sich durch alle drei Altersstufen, nur die konkrete Umsetzung passt sich an, was Grundschulkinder brauchen, ist selten dasselbe wie das, was in der Oberstufe funktioniert.
Ein Hinweis vorweg, der für die ganze Liste gilt: Kein Kind muss bei irgendeinem dieser Spiele mehr von sich zeigen, als es gerade möchte. Überall dort, wo ein Praxis-Tipp eine Alternative nennt, ist diese Alternative genauso vollständig wie die Hauptversion, keine Notlösung zweiter Klasse.
Wichtig bei allen Kleingruppen-Spielen:
Autistische Kinder und Jugendliche tun sich in unstrukturierten Gruppenarbeiten oft schwer, nicht weil sie nicht zusammenarbeiten könnten, sondern weil unklar bleibt, wer was tut. Bei jedem Spiel hier, das in Kleingruppen stattfindet, hilft es, feste Rollen zu vergeben, statt die Gruppe frei arbeiten zu lassen: eine Zeitwächter:in behält die Uhr im Blick, eine Schreiber:in hält Ergebnisse fest, eine Sprecher:in trägt am Ende vor, eine Material-Verantwortliche:r holt und verwaltet, was gebraucht wird. Rollen dürfen wechseln, aber pro Runde sollte klar sein, wer welche hat.
Grundschule (1. bis 4. Schulstufe)
In dieser Altersstufe funktionieren Bewegung, Farben und einfache, klar begrenzte Aufgaben am besten. Die Aufmerksamkeitsspanne ist kürzer, dafür ist die Bereitschaft, mitzumachen, oft noch unbefangener als in höheren Stufen, solange die Aufgabe konkret genug ist. Plane für diese Altersstufe eher kürzere Einheiten von zehn bis fünfzehn Minuten, danach lässt die Konzentration spürbar nach.
1. Steckbrief-Tausch
Jede:r füllt schriftlich einen kurzen Steckbrief aus, Lieblingsfarbe, ein Tier, ein Hobby. Die Zettel werden gemischt und paarweise getauscht. Man stellt sich gegenseitig anhand des Zettels vor, nicht sich selbst. Material: Vorgedruckte Steckbrief-Vorlage, Stifte. Tipp: Lass Kinder, die noch nicht gut schreiben können, stattdessen Symbole ankreuzen statt Sätze zu formulieren, dann bleibt das Spiel für die ganze Klasse gleich zugänglich. UDL-Bezug: Darstellung, schriftlich statt mündlich als gleichwertiger Zugang zur Selbstdarstellung.
2. Ich-Päckchen
Jedes Kind bringt einen kleinen Gegenstand von zuhause mit, der etwas über es aussagt. Zeigen ist freiwillig, wer nicht erzählen will, darf den Gegenstand einfach nur hinlegen. Material: Kleine Box oder Tasche pro Kind, ein mitgebrachter Gegenstand. Tipp: Für Kinder, die zuhause nichts finden oder vergessen haben: eine kleine Auswahl an neutralen Ersatzgegenständen im Klassenzimmer bereithalten, damit niemand leer dasteht. UDL-Bezug: Motivation, echte Wahlfreiheit beim Grad der Selbstoffenbarung.
3. Namens-Bewegung
Jedes Kind sagt seinen Namen und macht dazu eine kleine Bewegung, alle wiederholen Name und Bewegung gemeinsam. Nimmt Druck von der Stimme allein, Bewegung lenkt einen Teil der Aufmerksamkeit weg vom reinen Sprechen. Material: Kein Material nötig, nur Platz zum Stehen im Kreis. Tipp: Wer sich nicht bewegen möchte, darf die Bewegung auch nur mit der Hand andeuten, die Gruppe wiederholt trotzdem mit. UDL-Bezug: Handlung und Ausdruck, Bewegung als alternativer Kanal neben Sprache.
4. Lieblingstier-Ecken
Vier Ecken im Raum bekommen je ein Tier zugeordnet, Kinder stellen sich zu ihrem Lieblingstier und tauschen sich in der kleinen Gruppe aus. Bewegung statt Stillsitzen, kleine Gruppe statt großer Kreis. Material: Vier Bildkarten mit Tieren, an den Ecken aufgehängt. Tipp: Falls eine Ecke leer bleibt oder überfüllt ist, kein Problem, Gruppengröße darf ungleich sein, das ist Teil der Ehrlichkeit des Spiels. UDL-Bezug: Motivation, kleine statt große Gruppengröße senkt die soziale Hürde messbar.
5. Klassenpuzzle
Jedes Kind bemalt ein Puzzleteil mit einem Symbol für sich selbst, alle Teile werden zu einem großen Klassenbild zusammengesetzt und aufgehängt. Kreativ, still möglich, jede:r trägt sichtbar bei. Material: Leere Puzzleteile aus Karton (online als Vorlage verfügbar), Buntstifte. Tipp: Das fertige Puzzle im Klassenzimmer aufhängen, es wirkt das ganze Jahr über als Erinnerung: Jede:r gehört zum großen Bild dazu. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, ein sichtbares, dauerhaftes Symbol für die Gruppe als Ganzes.
6. Schatzsuche mit Personenkarten
Kärtchen mit Hinweisen wie „Finde jemanden mit demselben Lieblingsfach" werden im Raum verteilt gesucht. Klar strukturierte Aufgabe statt offenem Herumstehen. Material: Kärtchen mit vorformulierten Suchaufträgen, ein Klemmbrett pro Kind. Tipp: Für Kinder, die ungern durch den Raum gehen: eine Sitzplatz-Variante anbieten, bei der Kärtchen der Reihe nach weitergegeben werden. UDL-Bezug: Darstellung, eine eindeutige statt eine implizite Aufgabenstellung.
7. Stille Post mit Bildern
Statt Wörtern wird ein kleines Bild weitergeflüstert und nachgezeichnet, am Ende wird verglichen. Visuell statt verbal, kein Sprechdruck. Material: Papier und Stifte, eine kleine Bildvorlage zum Start. Tipp: Einfache Motive wählen (Haus, Sonne, Katze), das Spiel lebt vom Vergleich am Ende, nicht von komplizierten Bildern. UDL-Bezug: Darstellung, visuelle statt sprachliche Informationsübertragung.
8. Gemeinsamkeiten-Bingo
Ein Raster mit Feldern wie „hat eine Katze" oder „mag Fußball", die Klasse bewegt sich und sucht für jedes Feld eine passende Person. Klare Struktur statt offenem Kennenlernen. Material: Bingo-Raster als Kopiervorlage, Stifte. Tipp: Ein Feld bewusst offen lassen für „etwas, das dich überrascht", das bringt oft die schönsten Gespräche. UDL-Bezug: Motivation, ein klares Ziel (volles Raster) macht den Ablauf vorhersehbar.
9. Freundschaftsheft
Jedes Kind bekommt ein kleines Heft mit vorgedruckten Fragen (Lieblingsfarbe, Lieblingstier), das im Klassenzimmer herumgereicht und von anderen ausgefüllt wird. Schriftlich, im eigenen Tempo, über mehrere Tage verteilbar. Material: Kleine Hefte oder gefaltete Blätter, ein Fragenkatalog als Vorlage. Tipp: Über zwei bis drei Wochen laufen lassen statt an einem Tag, dann entsteht kein Zeitdruck und jedes Kind kommt in Ruhe dran. UDL-Bezug: Selbstregulation, jede:r bestimmt selbst das eigene Tempo.
10. Begrüßungsampel
Am Eingang hängt eine Ampel aus Papptellern, rot, gelb, grün. Jedes Kind klemmt morgens eine Wäscheklammer mit seinem Namen auf die Farbe, die gerade passt: Grün heißt „mir geht's gut, ich bin startklar", Gelb heißt „es geht so, ich brauch heute vielleicht etwas mehr Ruhe", Rot heißt „mir geht's gerade nicht gut". Kein Wort nötig, das Klammern allein reicht als Mitteilung. Material: Drei Papp- oder Papierteller, Wäscheklammern mit Namen. Tipp: Bei Rot oder Gelb nicht sofort vor der Klasse nachfragen, sondern bei der ersten ruhigen Gelegenheit einzeln und beiläufig ansprechen, „Ich hab gesehen, du bist heute auf Gelb, brauchst du gerade was?" Die Ampel bleibt den ganzen Vormittag hängen, Kinder dürfen ihre Klammer jederzeit umstecken, wenn sich die Stimmung ändert. UDL-Bezug: Motivation, ein wortloses Check-in nach dem Prinzip des Begrüßungsrituals aus Kapitel 12.
11. Zonen-Erkundung
Die Klasse geht gemeinsam die verschiedenen Bereiche im Raum ab, Ruheecke, Gruppentisch, Materialregal, an jeder Station gibt es eine winzige Aufgabe, zum Beispiel eine Schere probeweise benutzen. Material: Kleine Aufgabenkärtchen an jeder Zone. Tipp: Am Ende fragen, welche Zone jede:r am liebsten mag, das gibt dir gleich einen ersten Eindruck der unterschiedlichen Bedürfnisse in der Klasse. UDL-Bezug: Darstellung, macht den Multi-Zonen-Raum aus Kapitel 12 von Anfang an vertraut.
12. Fehler-Geschichten
Du erzählst zuerst selbst eine kleine, harmlose Panne (falsche Klasse betreten, Tafel verwechselt), danach dürfen Kinder, die mögen, auch eine eigene kleine Geschichte erzählen. Material: Kein Material nötig. Tipp: Als Lehrkraft wirklich mit einer eigenen Geschichte vorangehen, das signalisiert glaubwürdiger als jeder Satz, dass Fehler hier erlaubt sind. UDL-Bezug: Motivation, Fehlerkultur als aktiv gestaltetes Element, nicht als Zufall.
13. Ankerplatz-Karte
Jedes Kind sucht sich einen Lieblingsplatz im Klassenzimmer und malt eine kleine Karte davon. Die Karten werden gesammelt, nummeriert und zu einer großen „Schatzkarte" der Klasse zusammengeklebt, die im Raum hängt. In den ersten Wochen darf jedes Kind einmal kurz zu seinem eingezeichneten Platz gehen und dort einen Moment verweilen, das macht die Karte spürbar mehr als nur Deko. Material: Papier, Buntstifte, ein großes Trägerblatt oder Plakat zum Aufkleben. Tipp: Wer keinen Lieblingsplatz findet, darf auch einen Wunschplatz malen, der noch nicht existiert. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, macht den Raum zu einem persönlich bedeutsamen Ort.
14. Experten-Ecke Mini
Jedes Kind bringt ein Bild oder einen kleinen Gegenstand zu einem Thema mit, das es besonders gut kennt, und pinnt es an eine gemeinsame Wand. An einem festen Wochentag (zum Beispiel jeden Freitag) darf das Kind, das gerade dran ist, zwei bis drei Sätze dazu erzählen, wer mag, wer nicht mag, hängt sein Bild einfach nur auf. Über die Wochen füllt sich die Wand, und die Kinder fangen von selbst an, sich gegenseitig auf die Bilder anzusprechen, das ist der eigentliche Kennenlern-Effekt. Material: Pinnwand oder Klebeband, mitgebrachte Bilder. Tipp: Die Wand über mehrere Wochen wachsen lassen, nicht an einem Tag erledigen, so bleibt jede:r einmal dran. UDL-Bezug: Motivation, nutzt Spezialinteressen als Zugang, statt sie zu übersehen.
15. Komplimente-Post
Eine kleine Box im Klassenzimmer, in die anonym freundliche Nachrichten für andere Kinder eingeworfen werden können, einmal pro Woche gemeinsam vorgelesen. Material: Kleine Box, Zettel, Stifte. Tipp: Am Anfang selbst ein paar Zettel einwerfen, damit die Box nicht leer bleibt und alle verstehen, wie es gemeint ist. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, eine Anerkennungskultur nach Kapitel 12, niedrigschwellig für Kinder umgesetzt.
16. Mein Ruhe-Symbol
Jedes Kind malt ein kleines Symbol für das, was ihm hilft, wenn es unruhig oder überfordert ist, ein Kuscheltier, ein bestimmter Ort, eine Farbe. Die Symbole hängen als kleine „Ruhewand". Material: Papier, Buntstifte. Tipp: Keine Erklärung einfordern, das Symbol allein reicht, Worte sind optional. UDL-Bezug: Selbstregulation, macht individuelle Beruhigungsstrategien sichtbar, ohne Druck zu erklären.
17. Materialstation-Rallye
In Kleingruppen wird der Materialbereich erkundet, wo ist die Schere, wo der Kleber, was darf man sich einfach nehmen. Am Ende ein kleines Quiz dazu. Material: Vorhandenes Materialregal, ein einfacher Fragebogen. Tipp: Besonders wichtig, wenn dein Klassenzimmer freien Materialzugang hat, dann wissen alle von Anfang an, wo was liegt. UDL-Bezug: Darstellung, reduziert unnötige Abhängigkeiten von der Lehrkraft schon in Woche eins.
18. Gefühlswürfel
Ein Würfel mit sechs Gefühlsgesichtern wird reihum geworfen, wer möchte, sagt kurz, wann er sich zuletzt so gefühlt hat, Passen ist jederzeit erlaubt. Material: Ein selbstgebastelter Würfel mit aufgeklebten Gesichtern. Tipp: Nach ein paar Runden wird das Passen seltener, wenn die Klasse merkt, dass es wirklich in Ordnung ist. UDL-Bezug: Handlung und Ausdruck, Gefühle über ein Bild statt über freie Sprache ausdrücken.
19. Klassentier wählen
Die Klasse sammelt Vorschläge für ein gemeinsames Maskottchen-Tier und einigt sich per Abstimmung. Das gewählte Tier taucht später auf Plakaten und Belohnungen auf. Material: Zettel für Vorschläge, Klebepunkte für die Abstimmung. Tipp: Alle Vorschläge sichtbar aufhängen, bevor abgestimmt wird, das erhöht das Gefühl von Fairness. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, ein gemeinsam gewähltes Symbol für die ganze Klasse.
20. Wochenstart-Kreis
Jeden Montag ein kurzer Kreis, jede:r sagt ein einziges Wort zum Wochenende, nicht mehr. Wer nichts sagen will, darf auch nur nicken. Material: Kein Material nötig. Tipp: Bewusst bei einem Wort bleiben, nicht ausufern lassen, das hält das Ritual auch an stressigen Montagen durchführbar. UDL-Bezug: Selbstregulation, ein wiederkehrendes, kurzes Ankommen-Ritual.
Mittelstufe (5. bis 8. Schulstufe)
Hier beginnt die Phase, in der Gruppenzugehörigkeit und das Gefühl, nicht negativ aufzufallen, immer wichtiger werden. Spiele mit klar begrenztem Risiko, festen Kleingruppen und schriftlicher Vorbereitung funktionieren in dieser Stufe deutlich zuverlässiger als offene, spontane Formate. Gleichzeitig wird Langeweile schneller spürbar als in der Grundschule, ein zu kindliches Spiel verliert hier schnell die Aufmerksamkeit.
1. Wahrheit oder Quatsch, schriftlich
Jede:r schreibt drei Aussagen über sich, eine davon frei erfunden. In Kleingruppen wird geraten, welche nicht stimmt. Vorbereitungszeit nimmt den Spontan-Druck raus. Material: Kleine Kärtchen, Stifte. Tipp: Fünf bis sieben Minuten Schreibzeit einplanen, das reicht den meisten, ohne dass es zur Hetze wird. UDL-Bezug: Selbstregulation, ausreichend Vorbereitungszeit statt Spontanreaktion.
2. Interessen-Speed-Dating
Zwei Reihen sitzen sich gegenüber, feste Frage auf einer Karte, nach zwei Minuten rückt eine Reihe weiter. Zeitlich klar begrenzt, vorhersehbarer Ablauf, keine offene Situation. Material: Fragekarten, ein sichtbarer Timer. Tipp: Die Fragen vorher zeigen, nicht erst spontan vorlesen, dann können auch langsamere Denker:innen sich schon vorbereiten. UDL-Bezug: Darstellung, ein sichtbarer Timer macht den Ablauf für alle vorhersehbar.
3. Playlist-Vorstellung
Jede:r nennt einen Song, der gerade wichtig ist, schriftlich oder mündlich, freie Wahl. Ergibt am Ende eine Klassen-Playlist, die weiterlebt. Material: Zettel oder ein digitales Formular zum Eintragen. Tipp: Die entstandene Playlist eignet sich gut, um sie später leise im Hintergrund laufen zu lassen, etwa bei Stillarbeit, wenn die Klasse das mag. Wer Hintergrundgeräusche generell nicht erträgt, darf Noise-Cancelling-Kopfhörer tragen, oder die Musik bleibt für diese Einheit einfach aus, ganz ohne Diskussion. UDL-Bezug: Motivation, ein greifbares Ergebnis, das über den Tag hinaus wirkt.
4. Meme-Vorstellung
Wer mag, sucht ein Meme oder Bild, das gerade zur eigenen Stimmung passt, und zeigt es kurz. Niedrigschwellig, vertrautes Format für diese Altersgruppe, kein Sprechzwang. Material: Tablet oder Handy, alternativ ausgedruckte Meme-Vorlagen zum Ankreuzen. Tipp: Für Klassen ohne Geräte: eine kleine Auswahl ausgedruckter Memes bereitlegen, aus denen ausgewählt werden kann. UDL-Bezug: Motivation, ein vertrautes Alltagsformat senkt die Einstiegshürde.
5. Positions-Linie
Eine gedachte Linie im Raum steht für „stimme zu" bis „stimme nicht zu", bei harmlosen Aussagen („Ferien sind zu kurz") stellt man sich stumm an die passende Stelle. Bewegung statt Sprechen, sofort sichtbar, wer ähnlich denkt. Material: Ein Klebeband oder eine gedachte Linie am Boden. Tipp: Nach jeder Aussage kurz fragen, wer mag, kann erklären, warum er dort steht, komplett freiwillig, das Stehen allein reicht als Teilnahme. UDL-Bezug: Handlung und Ausdruck, Position statt Wort als vollwertige Antwort.
6. Zwei-Wahrheiten-eine-Lüge in Kleingruppen
Gleiches Prinzip wie oben, aber in festen Vierergruppen statt vor der ganzen Klasse, das senkt die Hürde zusätzlich. Material: Kein Material nötig. Tipp: Gruppen bewusst so einteilen, dass sich nicht nur beste Freund:innen zusammenfinden, das bringt neue Kennenlern-Effekte. UDL-Bezug: Motivation, kleinere Gruppengröße reduziert wahrgenommenes Risiko.
7. Klassenvertrag gemeinsam entwerfen
In Kleingruppen werden Vorschläge für Klassenregeln gesammelt, dann im Plenum zusammengeführt. Funktional, ergebnisorientiert, weniger „über mich reden" als andere Spiele, gut für Kinder, die das brauchen. Material: Plakate, Stifte, Klebepunkte für die Abstimmung am Ende. Tipp: Den fertigen Vertrag sichtbar aufhängen und im Jahresverlauf ein- bis zweimal wieder aufgreifen, das hält ihn lebendig statt nur Deko zu sein. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, gemeinsam erarbeitete Regeln statt vorgegebener Regeln.
8. Gemeinsamkeiten-Venn-Diagramm
Kleingruppen zeichnen ein Venn-Diagramm und tragen ein, was sie gemeinsam haben und was sie unterscheidet. Strukturierte Aufgabe mit klarem Ergebnis. Material: Große Blätter, Stifte. Tipp: Gruppengröße von drei bis vier hält das Diagramm überschaubar, bei mehr Personen wird es schnell unübersichtlich. UDL-Bezug: Darstellung, eine visuelle Struktur ordnet Information, die sonst unübersichtlich bliebe.
9. Zeitkapsel-Brief
Jede:r schreibt einen kurzen Brief an sich selbst fürs Schuljahresende, wird eingesammelt und erst am Schuljahresende zurückgegeben. Rein schriftlich, komplett ohne Vorstellungsdruck. Material: Briefumschläge, Stifte, ein sicherer Aufbewahrungsort für dich als Lehrkraft. Tipp: Ein bis zwei Leitfragen vorgeben („Was hoffst du für dieses Schuljahr?"), das hilft allen, die vor einem leeren Blatt nicht wissen, wo sie anfangen sollen. UDL-Bezug: Selbstregulation, ein Reflexionsformat komplett ohne Publikum.
110. Ankunfts-Ampel, digital oder analog
Beim Betreten des Klassenzimmers klebt jede:r einen farbigen Punkt (rot, gelb, grün) neben den eigenen Namen auf einer Liste, ganz ohne Kommentar. Grün heißt „alles gut", Gelb heißt „geht so", Rot heißt „heute nicht so gut". Material: Namensliste, farbige Klebepunkte. Tipp: Bei Rot oder Gelb keine öffentliche Nachfrage, sondern in der ersten ruhigen Minute der Stunde kurz und beiläufig das Gespräch anbieten. Für digitale Klassen: ein einfaches Formular mit drei Emojis erfüllt denselben Zweck. UDL-Bezug: Motivation, wortloses Check-in, angepasst an ältere Schüler:innen.
11. Restorative Kennenlernkreis
Die Klasse übt das spätere Konflikt-Format schon beim Kennenlernen: ein strukturierter Kreis, jede:r sagt einen Satz zu einer neutralen Frage, ohne Diskussion dazwischen. Material: Kein Material nötig, evtl. ein Redegegenstand zum Weitergeben. Tipp: Damit ist das Format schon vertraut, wenn es später wirklich für einen Konflikt gebraucht wird. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, führt Restorative Practices aus Kapitel 12 spielerisch ein.
12. Fehler-Wall
Anonyme Zettel: ein Fehler, den ich mal gemacht habe, und was ich daraus gelernt habe, werden gesammelt und als Wand aufgehängt. Material: Klebezettel, eine Wandfläche oder ein Plakat. Tipp: Wieder selbst mit einem eigenen Zettel vorangehen, das senkt die Hürde spürbar. UDL-Bezug: Motivation, macht Fehlerkultur sichtbar und normalisiert Scheitern als Teil des Lernens.
13. Zonen-Wahl
Schüler:innen schreiben kurz auf, welche Arbeitszone (Ruhe, Gruppe, Steharbeit) ihnen am meisten liegt, und warum. Material: Kurzer Fragebogen. Tipp: Die Ergebnisse anonymisiert vorstellen, das zeigt der Klasse, wie unterschiedlich Arbeitsvorlieben tatsächlich sind. UDL-Bezug: Darstellung, macht das Zonenkonzept aus Kapitel 12 zum Ausgangspunkt für echte Wahlmöglichkeiten.
14. Experten-Minute
Wer mag, hat 60 Sekunden Zeit, der Klasse etwas beizubringen, das er oder sie richtig gut kann, egal ob Schulthema oder nicht. Material: Ein sichtbarer Timer. Tipp: Freiwillige Teilnahme, über mehrere Wochen verteilt, nicht alle an einem Tag. UDL-Bezug: Motivation, Spezialinteressen als anerkannte Kompetenz sichtbar machen.
15. Hilfe-Signal-Karte
Jede:r gestaltet eine kleine Karte mit einem persönlichen Zeichen, das bedeutet: Ich brauche gerade eine Pause oder Hilfe, ohne es laut sagen zu müssen. Material: Kleine Karteikarten, Stifte. Tipp: Ein gemeinsames Klassensignal ergänzend einführen (zum Beispiel eine Hand heben mit zwei Fingern), das erleichtert die Nutzung im Alltag zusätzlich. UDL-Bezug: Selbstregulation, ein konkretes Werkzeug, um sich Hilfe zu holen, ohne Bloßstellung.
16. Anerkennungsrunde
In Kleingruppen sagt jede:r einer anderen Person aus der Gruppe ein ehrliches, konkretes Kompliment, keine Floskeln, sondern etwas Beobachtetes. Material: Kein Material nötig. Tipp: Vorher ein bis zwei Beispiele zeigen, was ein „konkretes" Kompliment ausmacht, sonst bleibt es oft zu allgemein. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, Anerkennungskultur aktiv unter Schüler:innen selbst etabliert.
17. Materialdemokratie
Die Klasse bespricht gemeinsam, wie der Zugang zu Materialien im Raum geregelt sein soll, freier Zugriff, Ausleihsystem, oder etwas dazwischen, und einigt sich. Material: Plakat für die gemeinsam beschlossenen Regeln. Tipp: Das Ergebnis nach ein paar Wochen noch einmal überprüfen, ob es wirklich funktioniert oder angepasst werden muss. UDL-Bezug: Handlung und Ausdruck, reduziert unnötige Abhängigkeiten wie in Kapitel 12 beschrieben.
18. Ruhe-Rezept
Jede:r schreibt drei persönliche Strategien auf, die gegen Stress oder Überforderung helfen. Teilen ist freiwillig, das Aufschreiben allein hat schon einen Wert. Material: Kleine Karten oder ein Notizzettel. Tipp: Die Karte darf im Etui oder Ranzen mitgeführt werden, als kleine Erinnerung für stressige Momente. UDL-Bezug: Selbstregulation, macht individuelle Bewältigungsstrategien bewusst.
19. Klassenregeln-Battle
Kleingruppen entwerfen jeweils einen Vorschlag für die drei wichtigsten Klassenregeln und pitchen ihn kurz vor der Klasse, danach wird gemeinsam ausgewählt. Material: Plakate, Stifte. Tipp: Wettbewerbs-Charakter bewusst locker halten, es geht ums Mitgestalten, nicht ums Gewinnen. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, echte Mitgestaltung von Klassenregeln statt reiner Vorgabe.
20. Zeitkapsel-Audio
Statt eines Briefs nimmt jede:r eine kurze Sprachnachricht an das eigene zukünftige Ich auf, die am Schuljahresende abgespielt wird. Material: Handy oder Tablet mit Aufnahmefunktion. Tipp: Für alle ohne eigenes Gerät: Alternative als geschriebener Brief anbieten, damit niemand ausgeschlossen ist. UDL-Bezug: Handlung und Ausdruck, gesprochene statt geschriebene Reflexion als gleichwertige Option.
Oberstufe (9. bis 13. Schulstufe)
Jugendliche in dieser Altersstufe durchschauen inszenierte Kennenlernspiele schnell und reagieren oft mit Widerstand, wenn sie sich kindisch behandelt fühlen. Formate, die etwas Substanz haben, echte Werte, echte Zukunftsfragen, funktionieren deshalb besser als reine Auflockerungsspiele. Ironie und ein bisschen Ernsthaftigkeit gleichzeitig kommen in dieser Altersstufe oft besser an als betont lockere Stimmung.
1. Werte-Ranking
Eine Liste von zehn Werten wird individuell sortiert, danach in Kleingruppen verglichen, wo Übereinstimmung und Unterschied liegt. Schriftliche Vorbereitung, danach strukturiertes Gespräch statt offener Runde. Material: Kärtchen mit vorgegebenen Werten (Ehrlichkeit, Freiheit, Sicherheit, und weitere). Tipp: Am Ende nicht bewerten, welche Werte „richtig" sind, der Punkt ist die Vielfalt der Rangfolgen sichtbar zu machen, nicht eine Einigung zu erzwingen. UDL-Bezug: Motivation, individuelle Reflexion vor jedem Gruppenaustausch.
2. Diskussions-Ecken
Zu harmlosen, klar entschiedenen Fragen (Ananas auf Pizza, ja oder nein) stellt man sich stumm in die passende Ecke. Übt Positionierung ohne echtes Risiko, gute Vorstufe für spätere inhaltliche Diskussionen. Material: Zwei bis vier beschriftete Ecken oder Bereiche im Raum. Tipp: Mit wirklich harmlosen Fragen starten, bevor du zu ernsteren Themen übergehst, das baut Vertrauen ins Format auf, bevor es wichtig wird. UDL-Bezug: Handlung und Ausdruck, Bewegung statt verbaler Positionierung.
3. Interview-Partnerarbeit
Zu zweit interviewt man sich gegenseitig mit vorgegebenen Fragen, stellt danach den Partner der Klasse vor, nicht sich selbst. Über andere sprechen ist für viele leichter als über sich selbst. Material: Ein Fragenkatalog mit fünf bis sieben Fragen. Tipp: Zeit zum Notieren der Antworten geben, nicht nur mündlich, das entlastet das Gedächtnis beim späteren Vorstellen. UDL-Bezug: Motivation, über eine andere Person sprechen senkt den Selbstoffenbarungsdruck.
4. Fähigkeiten-Tauschbörse
Jede:r schreibt eine Fähigkeit auf, die er oder sie hat, und eine, die er oder sie gern lernen würde. Die Zettel werden gesammelt und thematisch geclustert. Ergebnis: sichtbare Ressourcen in der Klasse. Material: Zwei verschiedenfarbige Kärtchen-Stapel, eine Pinnwand. Tipp: Die gesammelten Zettel als Poster im Raum hängen lassen, das kann im Schuljahr später als Anlaufpunkt genutzt werden, wenn jemand Hilfe zu einem Thema sucht. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, sichtbare gegenseitige Nützlichkeit stärkt den Gruppenzusammenhalt.
5. Ein Wort fürs Schuljahr
Jede:r wählt ein einzelnes Wort, das die eigene Haltung fürs neue Schuljahr beschreibt, alle Wörter werden zu einer Wortwolke zusammengefügt. Minimal im Aufwand, maximal persönlich, ohne viel preiszugeben. Material: Kleine Kärtchen oder ein digitales Wortwolken-Tool. Tipp: Die fertige Wortwolke ausdrucken und aufhängen, ein schöner, wenig aufdringlicher Rückblick am Schuljahresende. UDL-Bezug: Selbstregulation, minimale Preisgabe bei maximaler persönlicher Bedeutung.
6. Zukunftsvision-Kärtchen
Anonyme Kärtchen: „In fünf Jahren möchte ich..." werden gesammelt, gemischt, im Plenum vorgelesen. Anonymität nimmt den Druck, trotzdem entsteht ein echtes Gruppengefühl. Material: Einheitliche Kärtchen, damit die Handschrift nicht zuordenbar wird, wenn das gewünscht ist. Tipp: Klar ansagen, dass Vorlesen anonym passiert, das erhöht die Ehrlichkeit der Antworten spürbar. UDL-Bezug: Motivation, Anonymität als Zugang zu ehrlicherer Beteiligung.
7. Elevator Pitch über sich selbst
Ein kurzer, vorbereiteter Satz über sich selbst, schriftlich vorbereitet, laut Vorlesen ist freiwillig, Abgeben reicht auch. Material: Kleine Zettel oder Karteikarten. Tipp: Eine Wortobergrenze vorgeben (zum Beispiel 15 Wörter), das macht die Aufgabe konkret lösbar statt einschüchternd offen. UDL-Bezug: Darstellung, eine klare Längenvorgabe reduziert die Komplexität der Aufgabe.
8. Rollenspiel „Wenn ich ein Gegenstand wäre"
Kreative, aber schriftlich vorbereitbare Aufgabe: Welcher Gegenstand würde dich beschreiben, und warum? Kann geschrieben, gezeichnet oder kurz vorgestellt werden, freie Wahl des Formats. Material: Papier, Stifte, optional Zugriff auf Bildsuche. Tipp: Mehr dazu, warum unterschiedliche Ausdrucksformen wichtig sind, im Artikel Handlung und Ausdruck. UDL-Bezug: Handlung und Ausdruck, drei gleichwertige Formate für dasselbe Ziel.
9. Gruppenziel-Poster
In Kleingruppen wird ein gemeinsames Ziel fürs Schuljahr auf einem Poster festgehalten, mit Bildern, Stichworten oder Sätzen, freie Gestaltung. Material: Plakate, Stifte, Magazine zum Ausschneiden als Option. Tipp: Die Poster im Klassenzimmer aufhängen, sie werden oft im Jahresverlauf zum Bezugspunkt, wenn es mal schwierig wird. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, ein gemeinsam geschaffenes, dauerhaft sichtbares Ziel.
10. Zugehörigkeits-Skala
Auf einem anonymen Poster markiert jede:r mit einem Klebepunkt, wie zugehörig sie oder er sich in neuen Gruppen normalerweise fühlt, eine Skala von eins bis zehn. Material: Großes Poster mit Skala, Klebepunkte. Tipp: Das Ergebnis gemeinsam anschauen, ohne es einzelnen Personen zuzuordnen, zeigt oft, wie unterschiedlich das Empfinden in der Klasse ist. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, macht Cohens Forschung zu Belonging für die Klasse direkt erfahrbar.
11. Restorative-Kreis-Einführung
Die Klasse übt das Kreisformat für später anhand einer harmlosen Frage, „Was war dein bestes Ferienerlebnis", jede:r spricht einmal, ohne Unterbrechung. Material: Ein Redegegenstand zum Weitergeben. Tipp: Das Format explizit benennen, „Das ist dasselbe Format, das wir auch nutzen, wenn es mal Konflikte gibt", das schafft Transparenz. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, Restorative Practices als Struktur, nicht nur als Krisenwerkzeug.
12. Fehler-Lebenslauf
Statt eines klassischen Lebenslaufs schreibt jede:r kurz drei Dinge auf, die mal schiefgelaufen sind, und was daraus gelernt wurde. Teilen freiwillig. Material: Papier, Stifte. Tipp: Diese Übung funktioniert besonders gut, wenn du als Lehrkraft mit einem eigenen Beispiel beginnst. UDL-Bezug: Motivation, macht Scheitern zu einem normalen, besprechbaren Teil des Lernens.
13. Zonen-Pitch
Kleingruppen entwerfen einen Vorschlag, wie der ideale Klassenraum für konzentriertes und kollaboratives Arbeiten aussehen könnte, und stellen ihn kurz vor. Material: Papier für Skizzen. Tipp: Realistische Grenzen benennen (Raumgröße, vorhandenes Mobiliar), das macht die Vorschläge konkreter und umsetzbarer. UDL-Bezug: Darstellung, macht das Zonenkonzept zum eigenen Gestaltungsprojekt.
14. Experten-Talk
Wer mag, hält einen strukturierten Zwei-Minuten-Vortrag zu einem persönlichen Interessensgebiet, mit klarer Vorbereitungszeit. Material: Ein Timer, optional eine einfache Gliederungsvorlage. Tipp: Eine Gliederungsvorlage anbieten (Einstieg, Kern, Abschluss), nimmt Unsicherheit beim Strukturieren. UDL-Bezug: Motivation, Spezialinteressen als vollwertigen Redeanlass nutzen.
15. Signal-System entwerfen
Die Klasse entwickelt gemeinsam ein nonverbales Signal-System für Situationen wie „ich brauche eine Pause" oder „ich habe eine Frage, aber will nicht laut sprechen". Material: Plakat zur Dokumentation der vereinbarten Signale. Tipp: Das System für ein paar Wochen testen und bei Bedarf gemeinsam anpassen, nicht als starr festgelegt behandeln. UDL-Bezug: Selbstregulation, ein von der Gruppe selbst entworfenes Hilfesystem.
16. Anerkennung schriftlich
Jede:r schreibt anonym eine kurze, konkrete Wertschätzung für eine zufällig zugeloste Person aus der Klasse, die Zettel werden verteilt. Material: Kärtchen, eine Losbox. Tipp: Klare Regel: konkret und ehrlich statt allgemein, „Du bist nett" wird durch eine Beispielformulierung ersetzt. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, Anerkennungskultur schriftlich und damit auch für zurückhaltendere Schüler:innen zugänglich.
17. Material-Manifest
Die Klasse erarbeitet gemeinsam eine Vereinbarung, wie mit gemeinsamen Materialien und Ressourcen im Klassenzimmer umgegangen wird. Material: Ein gemeinsam erstelltes Dokument oder Poster. Tipp: Das Manifest von allen unterschreiben lassen, das erhöht die gefühlte Verbindlichkeit spürbar. UDL-Bezug: Handlung und Ausdruck, eine demokratisch erarbeitete Regelung statt vorgegebener Hausordnung.
18. Selbstfürsorge-Plan
Jede:r entwirft einen kurzen, privaten Plan: Was hilft mir, wenn eine Prüfungsphase stressig wird? Der Plan bleibt Eigentum der Schüler:innen. Material: Vorgedrucktes Formular oder einfach ein Blatt Papier. Tipp: Explizit sagen, dass niemand den Plan einsammelt oder lesen wird, das erhöht die Ehrlichkeit beim Ausfüllen. UDL-Bezug: Selbstregulation, unterstützt eigenständige Bewältigungsstrategien für die Oberstufe.
19. Klassenvertrag 2.0
Ähnlich wie in der Mittelstufe, aber mit einem Fokus auf gegenseitige Verantwortung statt reiner Verhaltensregeln, etwa Umgang mit Meinungsverschiedenheiten. Material: Plakate, Stifte, Klebepunkte für die Abstimmung. Tipp: Bewusst auch unbequeme Themen zulassen (Handynutzung, Gruppendruck), das macht den Vertrag ehrlicher als eine reine Wohlfühl-Liste. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, gemeinsam erarbeitete Regeln mit echtem Gewicht.
20. Vertrauens-Ranking
Jede:r reflektiert individuell, was Vertrauen in einer neuen Gruppe für sie oder ihn aufbaut, und wählt einen Gedanken aus, den er oder sie mit der Klasse teilen möchte. Material: Papier, Stifte. Tipp: Die Ergebnisse thematisch clustern (zum Beispiel „Verlässlichkeit", „Ehrlichkeit"), das macht Muster für die ganze Klasse sichtbar. UDL-Bezug: Zugehörigkeit, macht implizite Vertrauensbedingungen explizit besprechbar.
Bonus-Spiel: Mein Sechseck (altersübergreifend)
Ein Format, das in jeder Altersstufe funktioniert, von der Grundschule bis zur Oberstufe: Jede:r füllt ein Sechseck mit sechs Feldern zu sich selbst, Name, Lieblingsort, ein interessierendes Thema, eine Stärke, ein Motto, eine liebste Aktivität, in Worten, Bildern oder beidem, ganz nach eigener Wahl. Am Ende werden alle Sechsecke ausgeschnitten und an den Kanten zu einem gemeinsamen Netz zusammengesteckt, das im Klassenzimmer aufgehängt wird. Aus einzelnen Kindern wird sichtbar eine Klasse.
Der Clou an der Sechseck-Form: Jedes Kind verbindet sein Sechseck dort, wo es eine Gemeinsamkeit mit einem anderen Kind entdeckt, dieselbe Lieblingsfarbe, dasselbe Interesse, ein ähnliches Motto. Das Netz macht Gemeinsamkeiten sichtbar, die im normalen Unterricht nie zur Sprache kämen.
Die fertige Druckvorlage mit Anleitung gibt es als kostenloses PDF: Mein Sechseck, Freebie herunterladen.
So bereitest du eines dieser Spiele in fünf Minuten vor
Die meisten Spiele hier brauchen keine lange Vorbereitung. Ein praktischer Ablauf, der sich auf fast alle 60 übertragen lässt:
Material am Vortag bereitlegen, nicht erst in der Pause davor, das nimmt dir selbst Zeitdruck. Kurz überlegen, welches Kind in deiner Klasse mit welcher Variante am besten zurechtkommt, nicht um Extrawürste zu machen, sondern um vorbereitet zu sein, falls jemand die Alternative braucht. Und: einen klaren zeitlichen Rahmen ansagen, bevor es losgeht, „wir machen das jetzt zehn Minuten", das nimmt vielen Kindern die Unsicherheit, wie lange eine unbekannte Situation dauern wird.
Wie du diese Spiele auswählst, statt alle auf einmal zu machen
Du brauchst nicht alle 60 in der ersten Woche. Ein bis zwei pro Tag reichen völlig, über die ersten zwei Wochen verteilt. Wichtiger als die Menge ist die Mischung aus Formaten: mindestens ein schriftliches, ein bewegungsbasiertes und ein kreatives Spiel in den ersten Tagen, dann hast du für die unterschiedlichsten Zugänge in deiner Klasse etwas dabei, genau das Prinzip aus Motivation und Beteiligung.
Ein praktischer Ablauf für die erste Schulwoche: Tag eins ein bewegungsbasiertes Spiel, das noch keine tiefen Informationen verlangt, etwa die Lieblingstier-Ecken oder die Positions-Linie. Tag zwei etwas Schriftliches, das im eigenen Tempo passiert. Tag drei etwas Kreatives mit sichtbarem Ergebnis, wie das Klassenpuzzle oder das Gruppenziel-Poster. Diese Reihenfolge baut langsam Vertrauen auf, statt gleich am ersten Tag die persönlichste Aufgabe zu stellen.
Häufige Fragen zu inklusiven Kennenlernspielen
Muss ich vorher wissen, welche Kinder autistisch oder sozial ängstlich sind?
Nein. Der Vorteil dieser Spiele ist, dass sie für die ganze Klasse funktionieren, nicht nur für einzelne Kinder. Niemand muss sich outen oder um eine Ausnahme bitten.
Was, wenn ein Kind trotzdem gar nichts von sich zeigen will?
Bei jedem Spiel hier ist Nicht-Teilnahme oder eine Minimal-Version möglich, ohne dass es auffällt. Das ist bewusst so eingebaut.
Funktionieren diese Spiele auch außerhalb vom Schulstart?
Ja, viele eignen sich genauso nach den Ferien oder wenn eine neue Schülerin oder ein neuer Schüler dazukommt.
Wie viel Zeit sollte ich pro Spiel einplanen?
Die meisten hier brauchen 10 bis 20 Minuten. Plane lieber etwas mehr Zeit ein, als du denkst, gerade bei den schriftlichen Formaten, Hetze untergräbt genau den Zweck dieser Spiele.
Kann ich mehrere Spiele an einem Tag kombinieren?
Grundsätzlich ja, aber nicht mehr als zwei, sonst wird der Schulstart selbst zur Reizüberflutung, genau das, was diese Spiele eigentlich vermeiden sollen.
Diese Sammlung ist eine praktische Ergänzung zum Prinzip Motivation und Beteiligung. Wer die komplette Systematik dahinter mit allen drei UDL-Prinzipien, Bewertungsrastern und Musterstunden für den ganzen Schulalltag sucht, findet das in „Die eierlegende Wollmilchsau für inklusiven Unterricht".