Bewertungsraster statt Notenwillkür: Fair beurteilen mit UDL

Bewertungsraster statt Notenwillkür: Fair beurteilen mit UDL

Zwei Aufsätze zum selben Thema, ähnlich gut, ähnlich viel Mühe. Der eine bekommt ein Sehr gut, der andere ein Befriedigend, und wenn ich ehrlich bin, könnte ich beim zweiten Blick nicht mehr sauber erklären, warum. Genau dieses Bauchgefühl-Problem löst ein Bewertungsraster, nicht, weil es Bewertung objektiv macht, das schafft kein Raster der Welt, sondern weil es nachvollziehbar macht, für mich und für die Klasse.

Formative und summative Bewertung, kurz erklärt

Formative Bewertung begleitet den Lernprozess, sie zeigt, wo jemand gerade steht, ohne dass es gleich in einer Note landet. Summative Bewertung stellt am Ende fest, was erreicht wurde. Ein gutes Bewertungsraster funktioniert für beides: als Orientierung während der Arbeit und als Grundlage für die abschließende Note.

Warum ein Raster wichtiger wird, je mehr Formate du zulässt

Sobald Schüler:innen wählen dürfen, ob sie einen Text, ein Video oder eine Präsentation abgeben, siehe dazu auch Wahltafeln im Unterricht, wird ein einheitliches Raster nicht mehr optional, sondern notwendig. Ohne Raster bewertest du am Ende doch wieder nach Bauchgefühl, nur über mehr Formate verteilt, was die Willkür eher vergrößert als verkleinert.

Aufbau eines Bewertungsrasters

Ein funktionierendes Raster hat meistens drei bis vier Kriterien und drei bis vier Leistungsstufen. Mehr wird schnell unübersichtlich, weniger wird zu ungenau.

Beispiel-Bewertungsraster
Grafik: Beispiel-Bewertungsraster

Wichtig ist die Formulierung jeder Stufe: konkret genug, dass zwei verschiedene Personen beim Lesen zum selben Ergebnis kommen würden. „Gut strukturiert" ist zu vage. „Klarer Aufbau, gut nachvollziehbar" gibt eine echte Orientierung.

Ein Bewertungsraster erstellen, Schritt für Schritt

Schritt 1: Drei bis vier Kriterien festlegen. Was ist wirklich entscheidend für dieses Lernziel? Inhaltliche Richtigkeit gehört fast immer dazu, dazu meist Struktur und ein Kriterium für Eigenständigkeit.

Schritt 2: Jede Stufe konkret beschreiben. Nicht nur benennen (ausbaufähig, erfüllt, übertroffen), sondern für jedes Kriterium ausformulieren, was das konkret bedeutet.

Schritt 3: Am eigenen Material testen. Nimm eine bereits bewertete Arbeit aus dem letzten Jahr und prüfe, ob dein neues Raster zum selben Ergebnis gekommen wäre. Große Abweichungen zeigen, wo das Raster noch nachgeschärft werden muss.

Schritt 4: Der Klasse zeigen, bevor sie abgeben. Ein Raster, das erst nach der Abgabe auftaucht, hilft niemandem beim Lernen. Vorher gezeigt, wird es selbst zum Lernwerkzeug.

Häufige Fragen zu Bewertungsrastern

Braucht jedes Thema ein neues Raster?
Nein, die Grundstruktur lässt sich über viele Themen hinweg wiederverwenden, nur einzelne Kriterien passt du an.

Wird Bewertung dadurch nicht komplizierter?
Am Anfang etwas, bis das Raster steht. Danach geht die eigentliche Korrektur meist schneller, weil du nicht mehr bei jeder Arbeit neu abwägen musst.

Fertige Bewertungsraster für verschiedene Fächer und Formate, statt jedes selbst zu entwickeln, findest du in „Die eierlegende Wollmilchsau für inklusiven Unterricht". Wer sich zusätzlich mit Notenschutz und Nachteilsausgleich beschäftigt, findet passende Materialien in der Kopfchaos Bibliothek.