Ich habe UDL nicht als Konzept ins Kollegium getragen. Ich habe eine meiner Wahltafeln gezeigt. Eine Kollegin fragte: Wie lange hast du dafür gebraucht? Meine Antwort: Zwanzig Minuten, einmal. Dann habe ich sie drei Jahre lang benutzt. Das überzeugt mehr als jeder Vortrag.
Eine Wahltafel, im Englischen Choice Board, ist eines der einfachsten und wirksamsten UDL-Werkzeuge überhaupt. Trotzdem wird sie oft überkompliziert dargestellt. Dieser Artikel zeigt, wie eine Wahltafel aufgebaut ist und wie du in wenigen Schritten deine erste eigene baust.
Was eine Wahltafel ist, und was nicht
Eine Wahltafel gibt Schüler:innen mehrere gleichwertige Wege, dasselbe Lernziel zu erreichen oder ihr Verständnis zu zeigen. Wichtig ist das Wort gleichwertig: Alle Optionen führen zum selben Ziel, bewertet mit demselben Raster. Eine Wahltafel ist keine Differenzierung nach Leistungsniveau, bei der die einen die leichte und die anderen die schwere Aufgabe bekommen. Das wäre keine Wahl, das wäre Sortierung.
Der Aufbau: vier Kategorien reichen meistens
Ich arbeite fast immer mit denselben vier Kategorien, weil sie die typischen Zugangswege abdecken, ohne die Tafel unübersichtlich zu machen.
Text. Aufsatz, Zusammenfassung, Tagebucheintrag, für alle, die sich in Worten am klarsten ausdrücken.
Visuell. Infografik, Poster, Mindmap, Zeitleiste, für alle, die Zusammenhänge räumlich besser erfassen.
Präsentation. Vortrag, Video, Erklärvideo, Podcast, für alle, die im Sprechen und Erklären am stärksten sind.
Kreativ. Rollenspiel, Modell, Experiment, Zeichnung, für alle, die praktisch und handelnd am besten lernen.
Eine Wahltafel erstellen, Schritt für Schritt
Schritt 1: Das Lernziel zuerst festlegen. Bevor irgendeine Option feststeht, muss klar sein, was am Ende überprüfbar sein soll. Das Lernziel bleibt für alle vier Kategorien identisch.
Schritt 2: Für jede Kategorie eine konkrete Aufgabe formulieren. Nicht nur „Visuell", sondern „Erstelle eine Zeitleiste der wichtigsten Ereignisse". Konkret genug, dass niemand raten muss, was gemeint ist.
Schritt 3: Das Bewertungsraster einmal für alle vier schreiben. Kriterien wie inhaltliche Richtigkeit, Struktur, Eigenständigkeit gelten unabhängig vom gewählten Format. Mehr dazu im Artikel Bewertungsraster statt Notenwillkür.
Schritt 4: Testen, bevor du sie einsetzt. Kurz durchdenken: Könnte jede der vier Optionen tatsächlich dasselbe Verständnis zeigen? Wenn eine Kategorie deutlich einfacher wirkt als die anderen, ist sie keine gleichwertige Wahl.
Häufige Fragen zu Wahltafeln
Brauche ich für jedes Thema eine neue Wahltafel?
Nein. Die Grundstruktur lässt sich wiederverwenden, nur die konkreten Aufgaben pro Kategorie änderst du je nach Thema.
Was, wenn eine Schülerin ständig dieselbe Kategorie wählt?
Völlig in Ordnung. Das Ziel ist, dass sie ihr Verständnis zeigen kann, nicht, dass sie alle vier Formate durchprobiert.
Fertige Wahltafel-Vorlagen für verschiedene Fächer, direkt zum Ausdrucken, statt jede selbst neu zu entwerfen, findest du in „Die eierlegende Wollmilchsau für inklusiven Unterricht".